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25. Januar, Greven-Schmedehausen,
Zu den heiligen Schutzengeln

3. Sonntag i.Jk 2026

 

Eröffnung
 

Jetzt, Ende Januar, spüren wir es schon wieder: Die hellen Stunden nehmen zu, die Tage werden länger. Das geschieht ohne unser Zutun. Unser Sonnensystem sorgt regelmäßig dafür. Darauf können wir uns verlassen. Lange schon. Und lange noch.
Solche Sicherheiten gibt es leider nicht für die Menschenwelt, wie wir sie gestalten. Die Probleme, die wir verursachen, nehmen zurzeit gerade wieder zu.    
Gut, dass der Kosmos uns umfängt, die Erde uns trägt – und erträgt.         
Dieser Zusammenhang des großen Ganzen – dem möchten wir uns neu anvertrauen, wenn wir den Sonntag feiern. Wir hoffen uns neu zu verwurzeln in dem unfassbar großen Geheimnis, das wir Gott nennen. –  
Gemeinsam glauben, hoffen, lieben: Das erschließt uns den Lebensquell, dem wir unser Dasein verdanken. Diesen Ursprung spricht Jesus so an: „Unser Vater“. Mit ihm singen wir jetzt unser Loblied zum Gloria.
 

Tagesgebet
 

Barmherziger Gott! In allem, was Leib und Seele bedroht, bist du uns nicht fern. Du bleibst uns treu, auch in Gefahren und Not. Das Licht deines Angesichts leuchtet über uns, damit wir den Weg deiner Liebe auf Erden erkennen und gehen können.       
Wenn wir ihm folgen, stärkt und beglückt uns deine rettende Macht – nicht nur zu unserm Wohl, sondern zum Heil der ganzen Welt. Zu diesem Vertrauen ermutigt uns Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Dienstboek S. 58, bearbeitet)
 

Predigt (Mt 4,12-23)
 

„Das enttäuscht mich aber!”. Manches Mal haben wir das gehört – oder auch selbst gefühlt und gesagt.

Enttäuschungen, kleine und große – die treffen nicht nur Einzelpersonen.

Auch Gruppen, sogar ganze Völker können in Sackgassen geraten. Oft bleiben sie lange gefangen in ihrer verhängnisvollen Ausweglosigkeit.

“Das enttäuscht mich aber!“ Als Jesus begann, als sein Stern aufgehen konnte, da wurde ihm gleich der Weg verstellt. Johannes der Täufer, den er sehr schätzte, wurde gefangengenommen. Wie manche andere hatte auch Jesus diesem inspirierenden Mann Entscheidendes zu verdanken. Und wie alle, die dem Inhaftierten nahestehen, ist auch Jesus verdächtig, gerät selbst in Gefahr.

Es hatte lange gedauert, bis Jesu Berufung ausgereift war. Als er sich endlich zutraut, in die Öffentlichkeit zu gehen, muss er sich gleich wieder zurückziehen. Er flieht, taucht unter. Die Gegend, in der er sich in Sicherheit bringt, wird nicht umsonst “das heidnische Galiläa” genannt (Jes 8,23; Mt 4, 15). Dieser Landstrich ist nicht nur räumlich weit entfernt von dem Gelobten Land, in dem Gottes Reich anbrechen soll: Von Judäa mit seinem Mittelpunkt, der Königsstadt Jerusalem.

Nach diesem durchkreuzten Start bleibt Jesus bis zu seinem frühen Tod nur noch wenig Zeit. Dazu kommen andere Widrigkeiten, die ihm den Weg verstellen. Die letzte, die Hinrichtung auf Golgotha, Schädelhöhe, überbietet alle vorigen.    
Und doch hielt die evangelische Theologin Dorothee Sölle „Jesus von Nazareth für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Ich denke“, schreibt sie, „dass die Kraft seiner Phantasie aus dem Glück heraus verstanden werden muss. ... Das konventionelle Bild von Jesus hat immer seinen Gehorsam und seinen Opfersinn in den Vordergrund gestellt. Aber Phantasie, die aus Glück geboren wird, scheint mir eine genauere Beschreibung seines Lebens“ (Erinnert Euch an den Regenbogen, 1999).

Die Kraft seiner Phantasie, aus Glück geboren – die zeigt und bewährt sich gleich bei der ersten Komplikation, bei seinem erzwungenen Ausweichen ins heidnische Galiläa. Das Glück, das ihn erfüllt, wird dabei nicht in Frage gestellt, sondern verstärkt. Den auferlegten Umweg ins abgelegene Gebiet sieht er als vielversprechendes Vorzeichen. Dabei kann er sich, auch das freut ihn, auf Jesaja berufen. Dieses Wort des Propheten ermuntert Jesus, bestätigt ihn in seiner Hoffnung und Vorfreude: “Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf” (Jes 9,1). –    
Von da an beginnt Jesus zu verkündigen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17).

„Dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte“ (Jes 58,8). Mit Jesaja kann Jesus gerade das Volk, das im Dunkeln lebt, als vielversprechendes Zeichen sehen. Jetzt weiß er noch deutlicher: Ich kann, ich darf eine Bewegung aufgreifen und weiterführen, die zu lautem Jubel und zu großer Freude führen wird. Das drückende Joch, das Tragholz auf der Schulter und der Stock des Treibers – diese und alle anderen Werkzeuge von Unterdrückung und Unfreiheit werden zerbrechen. Jesus geht sogar auf: „Du zerbrichst sie”. In dieser Befreiung von Unrecht sieht er die Hand, die Liebe dessen, den er Abba nennt, Vater.
„Du zerbrichst sie”: Diese beglückende Überzeugung wünscht Jesus allen Menschen, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Er kann nicht aufhören, diese gute Nachricht zu verbreiten. Wie anziehend, wie ansteckend seine Freude darüber ist, zeigt sich im spontanen Verhalten der Fischer. Jesus lädt sie ein: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen” (Mt 4,19). Sie lassen ihre Netze liegen – und mit ihnen ihr ganzes bisheriges Leben. – und folgen ihm.

Die Spannkraft der Verkündigung Jesu ist groß – so groß, dass Jesus mit seinem Gefolge schließlich doch wagt, zur Hauptstadt zu ziehen, nach Jerusalem. Dort wird er bald gefangengenommen, zum Tod verurteilt und umgebracht. Aber das kann nicht verhindern, sogar dieser Justizmord trägt dazu bei, dass Jesu Botschaft bis an die Enden der Erde gegangen ist.

Das wird weiter geschehen. Wir wissen nicht wie, können aber sicher sein: Heute und morgen, immer wieder wird Gottes Menschenfreundlichkeit, wie Jesus sie verkörpert, auftauchen, wird sich neu bemerkbar machen. Menschen, die noch nicht geboren sind, werden seine Botschaft aufnehmen, werden darin aufgehen, über sich hinauswachsen: In ihrem Glauben, ihrem Hoffen und Lieben.

Im finsteren Gebiet, im heidnischen Galiläa – dort ist Jesu Licht zuerst aufgegangen, das Morgenrot, Gottes Morgenrot in Jesus. Deshalb gilt die Verheißung des Psalms immer noch und weiterhin:         
„Auch die Finsternis wird dir nicht dunkel sein, wie der Tag wird die Nacht dir erstrahlen, und die Finsternis ist dir wie Licht” (Ps 139,12).
 

Zum Friedensgruß
 

Schwestern und Brüder! Wir wissen um die dunklen Straßen in Kiew und anderswo in der Ukraine. Hunderttausende müssen, nachts aufgeschreckt durch russische Luftangriffe, in ungeheizten, kalten Wohnungen hausen. –
Dazu schreibt ein Ordensmann der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Taras Zheplinsky: „Wir wissen, dass wir nicht allein sind. Wir sind in der Dunkelheit, im Schatten des Todes. Aber über uns erstrahlt das Licht Christi. Und das Licht der Solidarität auf der ganzen Welt“ (Quelle: Vatican-News-Letter).     
Auch unser Friedenswunsch jetzt hier verbindet uns mit diesen Hoffnungszeichen: Dem Licht Christi und dem Licht der Solidarität auf der ganzen Welt.
 

Schlusswort
 

Gott – dein Wunsch ist es, von diesem Herzensanliegen willst du dich trotz allem nicht abbringen lassen: Wir sollen glücklich sein. Die Anlage dazu hast du uns geschenkt. Und du unterstützt uns, damit daraus etwas wird.    
Uns an unserm Glück freuen, es genießen – auch hier gilt: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Wenn nun aber du, Gott, dich mitfreust über unser Glücklichsein – dann wird es nicht mehr nur bei doppelter Freude bleiben.

Dann öffnet sich unsere Freude ins Unendliche, aus dem sie hervorgekommen, wo sie zuhause ist: Die Freude, deine göttliche Freude am Glücklichsein.

So segnest du uns, allmächtig barmherziger Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
 

Heinz-Georg Surmund

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